Ubuntu 14.04 und eine SSD

Seit nunmehr gut 4 Jahren arbeite ich an einem Rechner mit Ubuntu als Betriebssystem und bin rundum zufrieden. Angesichts der Richtung die Microsoft mit seinem Windows eingeschlagen hat bin ich froh, mich rechtzeitig von Microsofts Produkten unabhängig gemacht zu haben. (Bis auf eine Ausnahme: ich bin hauptsächlich aus beruflichen Gründen immer noch auf Skype angewiesen.) Angefangen habe ich mit Version 11.10 und bin dann auf die kurze Zeit später veröffentlichte Version 12.04 mit »long term support« (LTS, 5 Jahre Versorgung mit Sicherheitsupdates) gestiegen. Beide hatten einige Probleme mit den zwei GPUs meines Notebooks, die sich aber lösen ließen. Als vor knapp zwei Jahren mit 14.04, die nächste LTS Version veröffentlicht wurde, habe ich ein Upgrade absichtlich ausgelassen. Never change a running system.

Nach 4 Jahren beinahe täglichem Gebrauch des Notebooks kam langsam die Frage nach einer neuen Festplatte auf. Diese lief nach wie vor tadellos, herausfordern wollte ich es aber nicht. Ich entschloss mich für eine SSD, konkret eine EVO 850 von Samsung.

Die Zeit nach Weihnachten verbrachte ich also hauptsächlich damit, mich mit der Verwendung von SSD unter Linux zu beschäftigen. Vor allem die Themen Partitionierung und Alignment bereiteten mir einiges Kopfzerbrechen. Das Wiki auf ubuntuusers.de hält hier eine Fülle an Informationen bereit, allerdings fehlt mir da ein roter Faden, der einen Schritt für Schritt durch die Thematik führt. Die eigentlich alles entscheidende Frage, warum man eine Festplatte auf mehrere Partitionen aufteilt, stellte ich viel zu spät. Aus meiner Perspektive gibt es folgende drei Gründe dafür:

  • Dual-Boot: Also das Installieren mehr als eines Betriebssystems auf der gleichen Festplatte.
  • Trennen von /home und / um Ubuntu neu installieren zu können, ohne die eigenen Daten zu verlieren.
  • Mögliche Geschwindigkeitsvorteile beim Lesen der Daten bei mechanischen Festplatten.

Punkt eins ist irrelevant, in den 4 Jahren habe ich Windows nur aus einem Grund gebootet: Wenn ich an Videokonferenzen mit Screensharing teilnehmen musste. Das geht inzwischen mit Chromium und Google-Hangout auch wunderbar unter Ubuntu. Punkt drei ist ebenso obsolet. SSDs greifen auf alle Speicherbereiche gleich schnell zu.

Bleibt Punkt zwei: Hier und da liest man den Vorschlag, das Home-Verzeichnis auf eine andere Partition zu mounten als den Rest des Linux-Systems. Man könne so Linux neu installieren, ohne vorher die eigenen Daten zu sichern und wieder zurück zu spielen. Eine solche Situation, dass ich Ubuntu hätte neu installieren müssen, ist mir aber noch nie unter gekommen. Bei genauerer Betrachtung kann es sich unter Umständen sogar negativ auswirken, wenn man eine SSD in mehrere Partitionen unterteilt.

Kurz um: bei der Installation habe ich die manuelle Partitionierung links liegen gelassen und den Installer automatisch sein Dienst verrichten lassen. Das Resultat zeigt folgende Partitionierung:

sudo fdisk -l
Disk /dev/sda: 500.1 GB, 500107862016 bytes
255 Köpfe, 63 Sektoren/Spur, 60801 Zylinder, zusammen 976773168 Sektoren
Einheiten = Sektoren von 1 × 512 = 512 Bytes
Sector size (logical/physical): 512 bytes / 512 bytes
I/O size (minimum/optimal): 512 bytes / 512 bytes
Festplattenidentifikation: 0x00003d3b

   Gerät  boot.     Anfang        Ende     Blöcke   Id  System
/dev/sda1   *        2048   960167935   480082944   83  Linux
/dev/sda2       960169982   976771071     8300545    5  Erweiterte
/dev/sda5       960169984   976771071     8300544   82  Linux Swap / Solaris

Drei Partitionen mit korrektem Alignment, davon eine 492GB große, nutzbare Partition (die SSD bietet insgesamt 500GB). Damit habe ich effektiv  über 50GB mehr zur Verfügung als vorher, da auf der alten Festplatte (ebenfalls 500GB) noch Windows rum lungerte.

Ansonsten bietet Ubuntu 14.04 zusammen mit der SSD spürbare Verbesserungen. Der Rechner läuft viel flüssiger und vor allem leiser, da der Lüfter nur noch sehr selten hoch dreht. Es scheint, dass der Onboard Grafigchip ohne weitere Konfiguration vom System optimal verwendet wird. Ein Neustart des Systems ist dank der SSD in nur 18 Sekunden erledigt. Das dauerte zuvor gefühlt doppelt so lang. Der Akku (immerhin auch 4 Jahre alt) hält jetzt merklich länger.

Einziger Wermutstropfen ist der, dass Ubuntu mit Amazon-Spyware daher kommt. Die lässt sich aber leicht entfernen. Jetzt muss die Zeit zeigen, wie gut sich der Linux-Kernel und die Samsung-SSD vertragen. Mit dem TRIM von SSD gab es wohl in der Vergangenheit einige Probleme mit Samsung SSDs. Aber ich bin zuversichtlich, dass auch das funktionieren wird.

Um die Schreibzugriffe auf die SSD zu reduzieren habe ich im Anschluss das Temporärverzeichnis in den Arbeitsspeicher ausgelagert. Dahin lässt sich auch das Cache-Verzeichnis von Firefox verschieben. In about:config fügt man einfach folgenden Key (Typ: string) ein (falls er nicht existiert): browser.cache.disk.parent_directory und setzt den Wert auf /tmp. Unter about:cache lässt sich das ganze prüfen.

Für kommenden April ist die nächste LTS Version 16.04 angekündigt. Ob ich die dann gleich mitnehme hängt davon ab, wie sich der Unity-Desktop letztendlich weiter entwickelt. Der jetzige Stand gefällt mir ganz gut. Das was bisher an Neuerungen zu sehen ist, geht mir aber zu sehr in Richtung Touchscreen-Interfaces.

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