Gegen Pseudo-Framelayouts

Ich muss jetzt doch dringend mal gegen einen aufkommenden Trend anschreiben, den ich so gar nicht gutheißen kann: oben, unten, rechts, links oder sonstwo im Viewport fixierte Pseudo-Toolbars, Widgets oder Navigationen. In letzter Zeit sehe ich es immer häufiger, dass die Hauptnavigation nicht mehr aus dem Sichtfenster verschwindet, oder noch schlimmer, kläglich animiert sich wieder ins Blickfeld schiebt. Gern auch transparent, damit man sieht, der Text – den man eigentlich lesen will – ist noch da, doch schau her: Wir haben noch andere Seiten, einen Twitter-Link und: »Vergiss nicht, du bist gerade auf jetstrap.com«.

Pseudo-Framelayouts gehören mit Recht der Vergangenheit an. Seit auf der Bildschirmlandschaft praktisch jedes Format außer 16:9 ersatzlos gestrichen wurde, muss man mit dem vertikalen Platz haushalten. Ein Resultat ist, dass Browser-GUIs immer kompakter werden um dem eigentlichen Inhalt möglichst viel Platz einzuräumen. Dieser folgt in der Regel einem einfachen Schema: auf Navigation und Header folgt der Inhalt.  Navigation und Header dienen der Orientierung und der Übersicht. Hat man sich einmal einen Überblick verschafft will man sich in der Regel dem Inhalt widmen. Diesem sind lediglich in der horizontalen Ausdehnung Grenzen gesetzt, die sich aus typographischen Gesichtspunkten ergeben. Wollte man den Fließtext über die gesamte zur Verfügung stehenden Breite ziehen, würden beim 16:9 Format höchstens ein Dutzend Zeilen in den Viewport passen. Wenigstens eine davon, also knapp 10% würde von einer fixen Leiste verdeckt werden, denn diese müsste mindestens auch eine Zeilenhöhe hoch sein. Aber wer ändert schon seinen Viewport oder spielt mit der Schriftgröße rum?  Also zurück zur Praxis.

Der User hat also angebissen und wird den Rest »erscrollen«, wenn der Inhalt für ihn interessant ist. Hier stellen sich zwei Fragen: warum sollte man den User mehr scrollen lassen, als unbedingt nötig (gerade auf Touch-Geräten)? Und: Warum sollte er nicht wieder nach oben scrollen, was im Vergleich zum Scrollen beim Lesen wesentlich weniger »Präzision« erfordert ? Weil er die Orientierung verloren hat und daher die Seite fluchtartig verlässt? Wohl kaum. Im übrigen gelangt man in jedem Desktop-Browser an den Anfang des Dokuments, wenn man die Home-Taste (Pos1) auf der Tastatur drückt. Viele Mobile Browser bieten Methoden an, um bei langen Inhalten schnell wieder an den Anfang zu kommen. Gegen ein Skiplink am Ende spricht in dem Zusammenhang auch nichts.

Apropos Mobile Browser. Ein besonders bemerkenswertes Negativ-Beispiel liefert die Mobile Version vom Focus. Im Landscape-Modus ist gleich ein Viertel des Bildschirms vergeudet.

Hätten die drei Links nicht auch am Ende des Textes Platz gefunden?

Also bitte, liebe Webdesigner: Überlegt genau, ob eure Navis/Toolbars so wichtig sind, dass sie immer präsent sein müssen. (Oder so überladen, dass der Besucher sie gleich wieder vergisst)

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