Verlinken und dann doch distanzieren?

Wer kennt das nicht?

Der Betreiber distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt der verlinkten Seiten.

So oder so ähnlich liest man es auf vielen Websites im Impressum.
Warum ich diesen Satz bewusst nicht auf meine Seiten schreibe, will ich hier kurz erklären.

Zuerst einmal der Hintergrund: Ausgangspunkt und oft zitiert ist das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 12.05.1998 (Aktenzeichen: 312 O 85/98). Dort heißt es sinngemäß, dass der Betreiber einer Seite sich den (persönlichkeitsverletzenden) Inhalt einer fremden Seite zu eigen Macht, wenn er darauf verlinkt und sich nicht ausdrücklich davon distanziert. Zwischen Kläger und Beklagtem ging ein weiterer Rechtsstreit voraus, woraufhin der Beklagte auf seiner Website Links zu Inhalten setzte, die die Ehr- und Persönlichkeitsrechte des Klägers verletzten. Da er dies nachweislich in voller Absicht tat, nützte ihm auch sein pauschaler Haftungausschluss nichts.
Der Kontext in dem ich einen Link setze ist also ausschlaggebend. Eine pauschale Distanzierung muss also nicht einmal helfen.

Das Internet lebt von Links. Ich als Webautor will meinen Besuchern andere Websites empfehlen, in dem ich auf diese Verweise. Wenn ich mich dann quasi im selben Atemzug von deren Inhalten distanziere, ist das für mich ein Widerspruch.
Ich würde es auch selber ungern sehen, wenn man auf meine Seite verlinkt und sich öffentlich von dieser und dadurch auch von mir distanziert.

Das Urteil kann hier nachgelesen werden: LG Hamburg, Urteil vom 12.05.98 (Az.: 312 O 85/98) JurPC Web-Doc.


Die Thematik etwas ausführlicher beleuchtet: Warum Disclaimer dem WWW schaden.

Kommentare

  1. 01) 20.02.2009
    Thomas Speck

    Gut gebrüllt Löwe!

    Ich bin ganz Deiner Meinung. Allerdings kann man nicht Verantwortung für die Inhalte anderer Sites übernehmen, da sich diese – ohne das Du es merkst – ändern können, und dann?
    Man kann seinen Disclaimer auch nett und höflich gestalten, eher wie ein persönliches Schreiben. das kann dann jeder verstehen und ist nicht ganz in der gesetzlichen Grauzone.
    Ich denke das ich diesen Spagat geschafft habe: Disclaimer

  2. 02) 20.02.2009
    David

    Hallo Thomas,

    dass ich damit automatisch die Verantwortung übernehme ist ja nicht gesagt. Und so wie ich das sehe, ist es nur logisch, dass man nicht für den Inhalt fremder Seiten verantwortlich ist. Dazu gibt es ja die Impressumspflicht, die Transparenz schafft.

    Wenn ich von rechtswidrigen Inhalten mitbekomme, werde ich Links natürlich entfernen, oder in den entsprechenden Kontext setzen, allein schon meiner Besucher wegen.

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