Verabschiedung der Accesskeys

Bis jetzt dachte ich, dieses Thema sei spätestens mit HTML 5 vom Tisch. Aber Qualitätsprüfautomaten für Websites und die WHATWG sind da anderer Ansicht. Da müssen wir noch mal drüber reden.

Das accesskey-Attribut erlaubt dem Webdesigner für fokussierbare Elemente wie Links und Formularelemente eine Taste auf der Tastatur zu definieren, die dieses Element aktiviert bzw. den Fokus auf das Element setzt. Je nach Browser kann der Nutzer mit einer bestimmten Tastenkombination die Elemente direkt anspringen, ohne erst hin-Tab-en zu müssen. Schön und gut, aber hier hören die theoretischen Vorteile aus meiner Sicht auch schon auf und die Probleme fangen an:

  1. Niemand merkt sich die Tastenkürzel für jede Website. Möchte man also den Vorteil der Tastenkürzel nutzen, muss man erstmal die Bedienungsanleitung suchen – jedes mal auf's Neue. Man müsste sich also auf Standards einigen – was bis heute nur unzureichend geschehen ist.
  2. Wirklich sichere Tasten, die von keinem Programm als Tastenkürzel in der Grundeinstellung verwendet werden, gibt es kaum. Man würde also zwangsläufig mit den vom Nutzer verwendeten Tastenkombinationen kollidieren.
  3. Die Seite schreibt dem Nutzer vor, welche Tastenkürzel er zu verwenden hat.
  4. Kommt es zu dem Fall, dass von der Website definierte Tastenkürzel die Einstellungen des Benutzers überschreiben, dann haben wir nicht nur eine Barriere, dann haben wir eine vollständige Blockade geschaffen. Und einen Besucher auf Dauer vergrault.

Es mögen wohl auch diese Gründe gewesen sein, warum das Accesskey-Attribut bis jetzt aus dem HTML 5 Standard rausflog. Und es sind die Gründe, warum ich mich entschieden habe, die Accesskeys nicht einzusetzen obwohl sie auch heute noch mancherorts empfohlen werden. Beim Qualidator erreicht man die 100% in Accessibility nur, wenn man auch Accesskeys definiert hat. Na dann.

Die Annahme, mit Accesskeys mehr Zugänglichkeit zu schaffen, scheint also noch weit verbreitet zu sein – ein Grund, das Thema noch einmal kritisch zu beleuchten. Ein Weiterer ist die Wiedereinführung des Acceskey-Attributes durch die WHATWG auf ihrem Blog. Der Unterschied zu HTML 4.01 soll sein, dass in HTML 5 jedes Element das accesskey Attribut bekommen darf, außerdem kann man nun mehrere Werte angeben. Was ist denn da los? Für HTML 6(!) wird vorgeschlagen dem Attribut anstatt einem festen Wert eine Rolle zuzuweisen: accesskey="help". Ein guter Gedanke in die richtige Richtung, der Benutzer sucht sich dann selbst die Tastenkombination aus um zur Hilfe zu gelangen. Das wird bis dahin sicherlich überflüssig sein.

Die Idee hinter den Accesskeys ist prinzipiell nicht verkehrt. Nur ist die Umsetzung unglücklich geraten. Einen ganz anderen Weg sehe ich in HTML 5. Eine bisher recht sinnfreie Div-Suppe weicht damit einem Dokument, welches mit Elementen wie <nav>, <header>, <article> wesentlich mehr Semantik bietet. Es ist dann eine Sache der Implementierung dem Nutzer die Möglichkeit zu bieten, zwischen den einzelnen Bereichen zu navigieren. Eine weitere, zur Zeit schon wesentlich praxistauglichere Möglichkeit bietet WAI-ARIA mit den sog. Landmarks, die einzelnen Bereichen wie Navigation, Hauptinhalt, Header etc. Rollen zuweist. Dazu nur einige Links, da dass schon wieder einen ganzen Artikel füllen würde.

Accesskeys waren gut gemeint, sind aber in der Praxis eher ungeeignet, bzw. sogar störend und sollten, wie das tabindex-Attribut, nicht eingesetzt werden um die Seite Barrierefrei(er) zu gestalten, da damit im schlimmsten Fall das Gegenteil erreicht wird.

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  1. 14. Mai 2009: Anonymous