„Quelle: Internet“

Was ich heute Morgen im Sat1 Frühstücksfernsehn sehen musste, ließ mich fast an die Decke gehen. Es ging mal wieder um das Thema dieser Tage: der Amoklauf von Winnenden. Wie damit in vielen privaten TV-Sendern umgegangen wird ist an Sensationslust und Ignoranz kaum zu überbieten.

Es reicht nicht, Stunden nach der Tat, möglichst viele schockierende Bilder von offensichtlich noch völlig verstörten Menschen zu zeigen und das Leid quasi hautnah zu transportieren. Inzwischen will man auch Zusammenhänge zur Tat und potentielle Nachahmer im Internet gefunden haben. Dabei werden zweifelhafte Zitate aus einem Counterstrike-Forum aus dem Zusammenhang gerissen, in denen solche Gewalttaten angeblich verherrlicht werden. Natürlich zeigt man auch die entsprechenden Szenen aus Counterstrike und anderen Ego-Shootern sowie diverse Youtube-Videos, die Täter vorhergegangener Taten zeigen sollen. Untertitelt ist das ganze mit folgenden zwei Worten: „Quelle: Internet“. Das Internet als dunkler Sumpf für potentiell Gewalttätige. Das ist in etwa so, als würde man bei dem Zitat eines Gedichtes die Quelle „Buch“ angeben. Pietät und Zurückhaltung ist im Kampf um die Quote offenbar keinen Cent mehr wert.

Nachtrag(13.03):

Wie „gut“ mancherorts recherchiert wurde zeigt die Stellungnahme der Betreiber des Forums krautchan.net bezüglich der angeblichen Ankündigung der Tat im Internet auf eben diesem Forum.

Dass man auf Bildblog.de über den Fall lesen muss, war auch zu erwarten.

Kommentare

  1. 01) 06.04.2009
    [asterix]

    Ist ja klar, dass man solche Vorfälle immer wieder auf Ego-Shooter-Games zurückführt. Vielleicht kann das ein kleiner Faktor sein. Aber die Games sind noch lange nicht so realitätsgeträu das sie der einzige Faktor sein könnten, welcher Leute zu Amokläufern macht.

    Zu der Gesichte mit der "Quelle": Bei der Notwasserung im Hudson River wurden die ersten Bilder über Twitter gezeigt. Der Schweizer Tagesanzeiger ("Tagi") gab als Quelle für genau diese Bilder nur "Privat-Fotografen" an, obwohl die Bilder unter einer Creative Commons Lizenz standen. Kostenlose Bilder für die Zeitung, kein Ruhm für die Fotografen… Ich glaube für die klassichen Medien ist es zu schwierig, die korrekten Quellen aus dem so "modernen" Internet zu finden und anzugeben.

    Grüsse,
    [asterix]

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