Die Shopping-Qual

Ich habe noch nie Klamotten im Internet bestellt. Seit heute weiß ich, warum ich ganz gut daran getan habe.
Eigentlich gehe ich gern mal in die Stadt zum Shoppen um mich neu einzukleiden, sogar – man mag es kaum glauben – mit meiner besseren Hälfte (der ich hier mal kurz danken möchte, da sie bis jetzt für jeden Artikel das Lektorat übernommen hat). Eine gute Freundin von ihr hat uns zu ihrer Hochzeit eingeladen. Ein solches Ereignis bedarf natürlich auch angemessener Abendgarderobe seitens der Gäste, also haben wir beide gestern Nachmittag ganz „zwo-nullig“ eine virtuelle Shoppingtour gemacht. D.h. sie hat mir die entsprechenden Links über den Messenger geschickt, und ich durfte meine Meinung kund tun. Lange Rede – kurzer Sinn: ich bin mir jetzt ziemlich Sicher den Grund für die Pleite von Quelle zu kennen.

Das Martyrium fing an, als der erste Link zu otto.de über ICQ hereinkam. Neben diversen Ordnern (u.a. mit dem Namen des Shop-Systems) die sicherlich keine sind, enthielt die URL auch die 72-stellige Session-ID und das, obwohl ich Cookies akzeptiere. Eine phänomenale Voraussetzung um dem Kunden die Möglichkeit zu bieten, die angebotenen Artikel zu vergleichen und ggf. auch mal zu verlinken bzw. zu den Lesezeichen zu legen.

Hat man JavaScript in seinem Browser aktiviert, so gelangt man über gigantische Drop-Down-Listen irgendwann zu der gewünschten Artikelübersicht. Ich nutze in solchen Situationen gern die Funktion der mittleren Maustaste um einen Link in einem neuen Tab zu öffnen, um – den vorsintflutlichen Ladezeiten Rechnung tragend – die Übersicht weiter begutachten zu können während die Detailansicht des Artikels lädt, oder ein Artikel „bei Seite zu legen“ um ihn mit anderen zu vergleichen. Das geht allerdings nur, wenn die Seite echte Links hinter die Vorschaubildchen legt anstatt JavaScript-Funktionen.

Spätestens an diesem Punkt stecke ich als Besucher in einer Zwickmühle: schalte ich JavaScipt ab, wodurch das Layout teilweise zusammenfällt und mir wichtige Funktionen wie die vergrößerte Ansicht oder die Links auf ähnliche Produkte verwehrt bleiben, oder schalte ich es nicht ab, was zu steinzeitlichen Ladezeiten führt und bei mir grundlegende Browserfunktionen blockiert. Ich dachte bisher die Zeiten, in denen man JavaScript zum Selbstschutz deaktiviert wären vorbei.

Dieses Shopsystem setzen leider noch etliche weitere bekannte deutsche Onlineshops ein u.a. auch Quelle. Ich als normaler Besucher bin da schon nach fünf Minuten satt und gehe lieber in ein Geschäft. Einen Blick in den Quelltext habe ich mir erspart.

Ein Shopsystem von einem solchen Umfang umzusetzen ist ein Haufen Arbeit, weswegen dahinter auch eine Agentur steht, die sich auf diese Produkte spezialisiert hat. Was mich wundert ist, dass in der Entwicklung offenbar kein Gedanke an Benutzerfreundlichkeit geschweige denn an Barrierearmut verschwendet wurde oder aber die falschen Schlüsse gezogen wurden. Bei den Budgets die in solchen Bereichen fließen muss es doch drin sein eine Seite auch, oder gerade für den Nutzer zu optimieren. Vieleicht fehlt aber einfach noch das Bewusstsein, dass das Internet die Nutzer sind und nicht die Shops, die möglichst viel Profit raus holen wollen. Vieleicht habe ich auch gerade eine Marktlücke entdeckt – der barrierefreie Onlineshop?

Kommentare

  1. 01) 01.07.2009
    Klaus

    Hi,

    Klamotten muss man angehabt haben, sonst wird's meistens ein Reinfall.
    Interessant ist in dem Zusammenhang auch dieser Artikel über eine bekannte Firma:
    http://www.website-boosting.de/blog/2008-12-02/dell_wie_dumm_kann_man_sich_noch_anstellen.html

    Gruß
    Klaus

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