Der gläserne Mensch

Spricht man heute über Datenschutz, so stößt man nicht selten auf Desinteresse oder wird scherzhaft gar als paranoid abgestempelt. In Zeiten von kostenlosen Google-Diensten, „Social Networks“ und allen möglichen Web2.0 Angeboten ist es schon fast unmöglich keine persönlichen Datenspuren zu hinterlassen. Auf den ersten Blick ist das ja auch kein Problem, geschweige denn gefährlich. Vor einiger Zeit las oder hörte ich mal einen Spruch eines Datenschützers, der seine Situation sehr trefflich umschrieb. Sinngemäß sagte er, das Problem der Datenschützer sei es, dass die breite Masse erst aufwacht, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Und es stimmt schon, man denkt sich nichts dabei, wenn man seine Daten anderen überantwortet, wenn man sich dessen überhaupt bewusst ist.

Das Internet ist aber längst nicht der einzige Ort, an dem man eher unbewusst seine Daten verliert. Wer heute noch denkt, seine persönlichen Daten seien nicht schützenswert, dem empfehle ich, sich folgendes Video anzusehen:

Der Gläserne Deutsche – wie wir Deutsche ausgespäht werden
Nachtrag: die Dokumentation ist bei Youtube zu finden: Der gläserne Deutsche

Alles bloß Schwarzmalerei?

Zugegeben, das Szenario am Anfang der Doku ist schon noch düstere Zukunftsmusik und kann bei Bedarf auch übersprungen werden.
Das alleinige sammeln von Daten ist an sich ja reine Statistik und so denken sich viele nichts dabei, wenn man bei Rabatsystemen wie Payback mitmacht, oder beim Tanken mal wieder die ADAC-Karte vorlegt, wenn man sich überhaupt bewusst ist, dass dabei Daten gesammelt werden. Das Problem entsteht erst aus der Verknüpfung vieler einzelner Daten zu einem Profil. Heute existieren Firmen, die von Millionen von Bundesbürgern zu dem Namen und der Adresse auch noch Familienstand, Einkommensverhältnisse, Konsumvorlieben, Wahlverhalten usw. parat haben und mit diesen Daten ganz legal Handel treiben. AZ-Direct oder auch die Deutsche Post bieten umfangreiche Datensätze für sog. Direkt- oder Dialogmarketing an.

Aber auch Vater Staat selber bemüht sich redlich immer mehr über seine Bürger in Erfahrung zu bringen. Ob Biometrischer Reisepass, Videoüberwachung an immer mehr öffentlichen Plätzen oder die geplante Vorratsdatenspeicherung. Da kann einem schon mulmig werden, vor allem wenn einem klar wird, dass BKA-Gesetz, Sicherheitspaket 2 und wie die Pakete zur Verschärfung der inneren Sicherheit alle heißen, eigentlich nur das legalisieren soll, was heutzutage offenbar schon gängige Praxis ist. (Auch hier sei noch mal auf das Video verwiesen). Rutscht man, aus welch absurdem Grund auch immer, zufällig in den Verdacht ein Terrorist zu sein (oder nur in Kontakt zu einer terroristischen Vereinigung), springt ein Überwachungsapparat an, der jedem treuen Stasimitarbeiter die Tränen in die Augen getrieben hätte. Was es bedeutet vom Staat überwacht zu werden, kann man in Zeitzeugenberichten ehemaliger DDR-Bürger nachlesen. Aber das nur am Rande.

Da kann man schon fast zum Zyniker werden, wenn man hört, dass der Bundesinnenminister ein neues Datenschutzgesetz auf den Weg bringen will, das u.a. den Datenhandel deutlicher regulieren soll, in dem die betroffene Person erst einwilligen muss, bevor ihre Daten weiter verkauft werden können. Das ruft natürlich die Lobbyisten der Dialogmarketingbranche auf den Plan, die zu parlamentarischen Frühstücken einladen und Stück um Stück versuchen, den Gesetzentwurf aufzuweichen. Am besten gefällt mir hier die Rechtfertigung von Dieter Weng, dem Präsidenten des DDV:

Ich bin mir sicher das Verbraucher sich belästigt fühlen. Aber sie sind Menschen und wir sind jeden Tag belästigt von Hupen auf der Straße […] Die Tatsache, dass wir permanent versuchen durch Verordnungen diese Belästigung zu verringern, erhöht die Wahrscheinlichkeit, das ich mich belästigt fühle.

Das muss man sich für einen Moment mal auf der Zunge zergehen lassen! Man weiß, dass man die Leute nervt, aber solange damit genug Geld zu machen ist, ist einem alles andere offenbar egal. Das ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten.

Was tun

Angesichts dieser Tatsachen bleibt einem heutzutage kaum mehr übrig, als genau hinzuschauen wo und wem ich meine Daten anvertraue. Muss ich wirklich bei Bonusprogrammen mitmachen nur um hier und da ein paar Cent zu sparen (wenn überhaupt), um im Gegenzug ein Käuferprofil von mir erstellen zu lassen? Muss ich wirklich das Gewinnspiel um das tolle Auto im Einkaufszentrum mitmachen, bei dem nur Name, Adresse, Telefon etc. auf einem Kärtchen einzutragen sind?

Auch oder gerade im Internet sollte man die Augen offen halten. Ein gutes Beispiel sind die gerade aktuellen Gravatare. Ein zentrales System, dass dem Benutzer erlaubt ein Benutzerbild (Avatar) zu hinterlegen, welches dann in jedem Blog oder Forum anhand der E-Mailadresse des Nutzers geladen wird. Das Bedeutet jede E-Mailadresse, egal ob bei Gravatar angemeldet oder nicht wird bei jedem Seitenaufruf an den Zentralen Server geschickt und der Anbieter dieses Dienstes kann problemlos mitverfolgen wer wann und wo welche Beiträge liest. Einfacher kann man es doch gar nicht haben.

Gleiches gilt für den ganzen social network-Kram wie Facebook oder StudiVZ. Man sollte sich nicht der falschen Annahme hingeben, dass die Bilder und die Infos über seine Person auf immer und ewig auch wirklich nur den als Freunde eingestuften Benutzern zugänglich bleiben. Es spricht grundsätzlich nichts gegen die Nutzung solcher Netzwerke, aber man sollte sich einmal die Frage stellen, sind die Informationen, die ich da über mich hineinstelle wirklich für alle Ohren bestimmt? Würde ich sowas auch einem wildfremden Menschen auf der Straße erzählen? Was einmal im Internet steht, steht für immer da drin.

Kommentare

  1. 01) 10.04.2009
    Thomas Scholz

    Das Problem mit den Gravataren spukt mir auch schon eine Weile durch den Kopf.
    Ich erzwinge seit einiger Zeit Namen und E-Mail-Adresse in meinem Kommentarformular nicht mehr, damit sich die Leser etwas freier fühlen. Aber vielleicht werfe ich die Gravatare ganz raus, und verwende nur noch meine eigenen.

  2. 02) 04.05.2012
    Ofenrohr Fotos

    Ein anderes Problem mit Gravatar auf das ich durch einen etwas erfahreneren Blogger aufmerkasam gemacht wurde: ich selbst achte peinlich genau darauf, auf meinem Blog/meiner Seite auch ja keine urheberrechtlich geschützten Bilddateien zu verwenden. Was ist aber, wenn ein Kommentator als Gravatar eine bekannte Comicfigur o.ä nutzt? Was ist, wenn mich der die Rechte daran besitzende Verlag dann wegen einer Urheberrechtsverletzung abmahnt? Ich kann das dann wohl kaum auf Gravatar abwälzen…

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